Wandern – was ist das?
Als Wandern wird das Gehen über längere Strecken in der Natur bezeichnet.
Laut Deutschem Wanderverband unterscheidet sich das Wandern vom Spazierengehen per Definition in folgenden Punkten:
1. Dauer von mehr als einer Stunde
2. eine entsprechende Planung
3. Nutzung spezifischer Infrastruktur
4. eine angepasste Ausrüstung
Wandern wird vor allem in landschaftlich attraktiven Regionen betrieben und gilt heutzutage als eine anerkannte Sportart und wird von vielen Sportlern und Naturliebhabern im Urlaub betrieben. Es gibt viele Regionen, vor allem im Gebirge, die ihren Tourismus auf Wandern ausgerichtet haben, ebenso gibt es viele Reiseanbieter, die Wanderurlaube und geführte Wanderungen anbieten.
Der Begriff Wandern unterscheidet zweckfreies und zweckgebundenes Wandern. Zweckgebundenes Wandern in Ermangelung von alternativen Fortbewegungsmittel hat schon immer stattgefunden, während erste Dokumentationen von zweckfreiem Wandern auf den Italiener Francesco Petrarca aus dem Jahre 1336 zurückgehen.
Auch im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff Wanderer bereits im Mittelalter benutzt, ein Interesse an der zweckfreien Bewegung in der Natur kam jedoch erst mit der Aufklärung auf. Das Wandern wurde, angetrieben durch Albrecht von Hallers Gedicht “Die Alpen” und Jean-Jaques Rousseaus Briefroman “Julie oder die neue Heloise” zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums. Beim Wandern standen in dieser Zeit soziale und politische Gegebenheiten im Fokus des Interesses.
In der Romantik veränderte sich dieser Fokus hin zum Blick auf die Schönheit der Natur als Spiegel der eigenen Seele. Die Romantiker wanderten viel und ließen sich und ihre Kunstwerke von der Natur beeinflussen.
Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Wander- und Gebirgsvereine, die eine Institutionalisierung des Wanderns einleiteten. 1883 wurde der Deutsche Wanderverband in Fulda gegründet – die Dachorganisation der vielen Gebirgs- und Wandervereine Deutschlands. Wandern blieb jedoch immer den bürgerlichen Schichten vorbehalten, erst im 20. Jahrhundert wurde der Sport auch den proletarischen Schichten zugänglich gemacht.
Inzwischen hat sich das Wandern zum Trendsport gemausert. Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigt, dass sich 40 Mio. der Deutschen über 16 Jahren als aktive Wanderer bezeichnen, die mehrmals im Jahr eine Wanderung unternehmen.
Es gibt viele verschiedene Arten von Wandern.
Wanderungen im Gebirge werden als Bergwandern bezeichnet, wobei es keine definitorischen Unterscheidungen zum Bergsteigen oder Wandern gibt. Höhenwanderungen sind Wanderungen in großer Höhe ohne Überwindung großer Höhenunterschiede. Bergwandern ist die beliebteste Form des Wanderns, und ganze Bergregionen haben sich auf den Wandertourismus spezialisiert.
Fernwandern oder Weitwandern bezeichnet das Wandern über weite Strecken und mehrere Tage, wo sich die Wanderer von Hütte zu Hütte wandern. Als Trekking bezeichnet man das Weitwandern abseits markierter Pfade. Ab einer Distanz von 35 oder 40km spricht man vom Sportwandern.
Inzwischen existieren viele ausgefallene und spezielle Formen des Wanderns, die einen Aspekt in den Mittelpunkt stellen. Beim Bildungswandern steht die Bildung der Wanderer im Vordergrund, die sich durch Bildungspfade und Informationspfade weiterbilden. Beim Geocaching, der modernen Form der Schatzsuche, stehen das Rätselhafte und Mysteriöse im Vordergrund, und die Wanderung wird mit dem Ziel unternommen, einen Schatz zu bergen. Meditatives oder spirituelles Wandern, auch unter dem Begriff Pilgern bekannt, sind Wanderungen, die mit einer Sinn- oder Gottessuche verknüpft sind. Bekannteste Route ist der Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Galizien.