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Fernwanderwege –

 

Kurze Erklärung der Entstehung und der Geschichte europäischer Fernwanderwege

Fernwanderweg – schon das Wort klingt verheißungsvoll. Das gemächliche, manchmal auch anstrengende Reisen zu Fuß durch alle europäischen Landschaften ist für viele Enthusiasten der Inbegriff von Erholung und Urlaub.

1) Wohin führen europäische Fernwanderwege?

Diese Frage ist schnell beantwortet: überall hin! In Europa finden wir das weltweit am weitesten verzweigte Netz an Fernwanderwegen vor. Es ist auch das dichteste Netz und führt vom Norden Europas durch alle Länder Ihrer Wahl. Kreuz und quer. Von der nördlichsten Spitze Europas zu seinem südlichsten Kap. Alles ist zu Fuß erreichbar. (Wenn Sie eine solche Tour planen: Niemals ohne richtig gute Wanderschuhe bzw. Wanderstiefel!

2) Wie entstanden die Wege?

Die Ersten, die die heutigen Fernwanderwege beschritten haben, waren Tiere. Regelmäßig sich wiederholende Wildwechsel schufen die Wege erst. Wenn Jahr um Jahr Hunderte von Hufen im Jahreszeitenwechsel dem Futter nachlaufen, hinterlässt es Spuren in jeder Landschaft. Durch ihre Benutzung bahnten sich Wege durch den dichten Bewuchs. Die nachwachsende Vegetation war schnell verzehrt, der Weg blieb frei.

Seit der Mensch in der Erdgeschichte eine Rolle spielt, ist er auf diesen Wegen zu finden. Ebenfalls der Nahrung hinterher. Jäger und Sammler folgten den Spuren der Tiere, um sie zu jagen. Der Weg war auch einfacher zu beschreiten. Ein dritter wichtiger Grund kommt hinzu: Die Tiere wussten, wo das Wasser ist auf dem langen Marsch. Auch dieses Wissen nutzte der Mensch, um sein Überleben sicherzustellen. Die längste Zeit der Entwicklung der Fernwanderwege fand auf diese Weise statt. Funde wie der von Ötzi belegen, dass bereits in der Steinzeit gewandert wurde. Schon damals war mit manchmal tragischem Ausgang zu rechnen.

Lange nach dem Unglück von Ötzi schuf der Mensch weitreichenden Verbindungen für den Handel. Allen bekannt ist die Seidenstraße, die gar Kontinente überquert, doch auch in Europa wurden bekannte Wege fest etabliert. Wir kennen Sie zum Beispiel als die Salzstraßen, die weit aus mehr, als die schmackhaften Kristalle gesehen hat. Das Mittelalter hat sich hierin besonders hervorgetan. Schon immer wurden Waren möglichst weit verteilt. Die Eroberung der Länder jenseits der Ozeane verstärkte diese Entwicklung noch: Es gab mehr und mehr begehrte Waren. Über Kolonialwaren bis hin zur heutigen Globalisierung.

Glaube und Religion schufen weitere neue Wege. Besser gesagt, die bekannten wurden genutzt und zu einem Pfad verbunden: die Pilgerwege. Der Lahn-Camino, als einer der Jakobswege in Deutschland, stellt eine Verbindung dar, die aus religiösen Motiven entstand und heute Teil des Europa-Fernwanderweg E1 ist. Je näher Sie Santiago de Compostela in Spanien kommen auf ihrer Europawanderung, desto häufiger wird Ihnen ein Camino begegnen, der Pilgername für den Weg ans Kap Finisterre zu Ehren des Heiligen Jacobus. Da in Europa allzeit viel gehandelt wurde und der Glaube groß war, sind Wanderwege in Fülle vorhanden.

3) Wer pflegt die Fernwanderwege?

Waren es in der Vergangenheit die Tiere, die die Wege freihielten, taten es auch bald die Menschen. Mancherorts wurden Querungen und Ähnliches erst vom Menschen geschaffen. An der Instandhaltung war schon immer jeder Nutzer interessiert. Oft halten Freiwillige die Wege in Ordnung, sorgen für die Sicherheit der Wanderer und stellen Unterkünfte bereit. Selbst wenn es nur eine einfache Wetterhütte ist, die – in Not geraten – das Überleben sichern kann.

Hier finden Sie in jedem Land andere Standards. Deshalb kann auch nicht vereinfachend über die Qualität der Wege berichtet werden, sie sind nicht zuletzt wegen der Landschaften zu unterschiedlich. Gekennzeichnet sind sie hingegen alle gleich: Das schwarze Andreaskreuz auf weißem Grund weist die Richtung.

Unzählige Gemeinden und Freiwillige investieren in den Ausbau und die Erhaltung der Wege. Die europäischen Fernwanderwege sind Erbe unserer Geschichte. Das macht sie so spannend und ungebrochen zeitgemäß. Jeder kann und sollte dabei helfen, die Wege zu erhalten. Dann lassen sich auch noch in Zukunft mehr und weitere Wege und Verbindungen von Mensch zu Mensch schaffen und bewahren.